Klassische Herrenmode und das süße Leben.



Vintage Drinks und Barkultur: Remedy Rum

Im New York der wilden Zwanziger Jahre soll der Apotheker Frank M. Farrington das Rezept für einen gewürzten Rum kreiert haben. Er mischte verschiedene karibische Rum-Fässer mit Vanille, Orangenschalen und Zimt – geboren war der Remedy Rum. Aber wie kommt ein Apotheker dazu mit Rum zu experimentieren? Dazu schauen wir uns den historischen Kontext einmal genauer an.

Alkohol für medizinische Zweck

Am 16. Januar 1920 trat der sog. Volstead Act in Kraft. Diese Verordnung machte den Genuss, die Herstellung und den Handel mit berauschenden Flüssigkeiten illegal. Doch der Volstead Act beinhaltete Schlupflöcher. Eines davon war die Herstellung von Alkohol für medizinische Zwecke.

Prohibitionsagenten vernichten Alkohol nach einer Razzia
Prohibitionsagenten vernichten Alkohol nach einer Razzia

Eine der erfolgreichsten Persönlichkeiten, die von dieser Hintertür Gebrauch machten, war George Remus. Remus war geborener Berliner und eigentlich Rechtsanwalt, der im Kindesalter mit seiner Familie in die USA ausgewandert war. Als Anwalt kannte er die Verordnung auswendig und nachdem er sah wie seine Klienten sich am Alkoholhandel bereicherten, stieg auch er ins Geschäft ein. Zum Höhepunkt seines Schaffens besaß er die meisten der Whiskey-Destillerien in Cincinnati, wo zu dieser Zeit ohnehin über 80% der legalen Brennereien standen. Er wurde ein Schwergewicht der Branche und verdiente innerhalb von drei Jahren stolze 40 Millionen Dollar.

Sein Prinzip war dabei denkbar einfach. Er kaufte Destillerien sowie Apotheken und sicherte sich dadurch die staatlichen Lizenzen um den Alkohol legal herzustellen. Seine Lastwagen für die Belieferung der Apotheken ließ er dann immer wieder von seinen eigenen Leuten kapern um den verladenen Alkohol an Gaststätten oder andere Gangster zu verkaufen.

Remedy Spiced Rum

In diesem Kontext erschuf Frank M. Farrington wohl den Remedy Rum. Passend dazu wird er in großen Apothekerflaschen abgefüllt. Auch die Gestaltung des Etiketts orientiert sich an der Ästhetik der Zeit und gefällt mir ausgesprochen gut.

Remedy Rum mit Zutaten und Küchengerät

Der Remedy Rum schmeckt für seine Preisklasse (Tante Google spricht von ca. 20 Euro für 0,7l) erstaunlich mild und gleichzeitig vielschichtig. Die alkoholische Schärfe fehlt völlig. Neben Orange, Zimt und Pfeffer treten vor allem Vanille und die enthaltene Süße in den Vordergrund. Ich persönlich mag ihn am liebsten auf Eis oder ganz simpel mit Cola. Die Cocktail-Empfehlungen des Herstellers, z.B. mit Ginger Beer und Limette, sind allerdings eine ebenso große Gaumenfreude.

Dieser Beitrag wurde gesponsort durch die Sierra Madre GmbH.

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