Klassische Herrenmode und das süße Leben.



Boutonnière – Die Blume im Knopfloch

So eine Knopflochblume – auch bekannt als Boutonnière – ist ein schönes Detail zu besonderen Anlässen. Ich bevorzuge die traditionelle Trageweise im Knopfloch. Ansteck-Sträuße vom Floristen sieht man allerdings deutlich häufiger. Diese werden per Sicherheitsnadel am Revers befestigt und sind in der Regel viel zu groß.

Nelke und Edelweiß

Als echte Knopflochblumen bieten sich vor allem Gartennelken an. Sie sind vergleichsweise leicht zu pflegen und halten es im Jackettrevers sehr lange ohne Wasser aus. Die regelmäßige Pflege von Nelken sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Echte Blumen im Knopfloch sind nichts für Kurzentschlossene.

Die Blume auf dem Beitragsbild ist dagegen kein echtes Edelweiß, sondern eine Kunstblume. Meiner Meinung nach völlig legitim, allein schon weil Edelweiß unter strengem Naturschutz steht. Künstliche Blumen sind stabil und ermöglichen ein wenig Exotik am Revers. Denn auch Blumenarten, die unter normalen Umständen schnell vertrocknen, lassen sich problemlos tragen. Man sollte jedoch auf eine gewisse Qualität achten, da Kunstblumen schnell billig aussehen.

Das Knopfloch

Die Trageweise im Knopfloch erfordert ein offenes Reversknopfloch und einen kleinen Steg auf der Rückseite des Revers. Das Knopfloch ist bei modernen Jacketts meistens geschlossen und muss erst mit einem Nahtauftrenner oder einer kleinen Schere vorsichtig geöffnet werden. Einen Steg sucht man erfahrungsgemäß vergebens. Man kann ihn jedoch leicht mit Nadel und Faden nachträglich hinzufügen.

Reversrückseite mit eingesetzter Knopflochblume

Reversrückseite mit eingesetzter Knopflochblume

Gehäkelt und drapiert

Alternativ zu echten Blumen oder naturgetreuen Nachahmungen gibt es auch rein symbolische Varianten. Solche Blumen können z.B. gehäkelt sein wie diese hier bei Insignitum. Eine ebenso schöne Spielart – gerade für Couleurstudenten – ist die sog. Couleurrose, die aus einem Stück Band drapiert wird. Diese beiden Formen werden mit einer Nadel angesteckt. Von anderen, billigen Varianten aus Polyester sollte man unbedingt die Finger lassen.

Dunkelblauer Nadelstreifenanzug mit dunkelblauer Seidenkrawatte, blau-weißem Einstecktuch und weiß-blauer Couleurrose

„Fifty shades of blue“ mit einer blau-weißen Couleurrose

Kaufempfehlungen

Echte Blumen, insbesondere Gartennelken, bekommt man im Blumenladen um die Ecke oder im Baumarkt. Kunstblumen findet man z.B. bei Amazon*. Gehäkelte und drapierte Blumen für das Jackettrevers kauft man am besten bei Insignitum oder Couleurrosen.

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2 Kommentare

  1. Jacobus 27. Juli 2018

    Glückauf lieber “Vintagebursche”,
    da hatte ich ganz harmlos nach “Boutonniere” gegoogelt und stoße dann auf diese wirklich interessante Seite. Und dann sehe ich auf dem Photo doch tatsächlich dieselbe Nadel mit den beiden gekreuzten „Prager Plempen“, die ich auch jeden Tag im Revers trage…

    Knopflochblumen hatten es mir schon als Kind angetan, da mein Großvater häufig eine Blume trug, so z. B. eine blaue Kornblume. Als junger Mann hatte er eine Zeitlang in Österreich gelebt, war dort mit dem „Dritten Lager“ und auch mit dem Grenzlanddeutschtum in Berührung gekommen, und seitdem trug er gerne deren „Erkennungszeichen“. Aber auch schon mal eine kleine Rose, eine Nelke oder ein Maiglöckchen. Das war natürlich auch ein bißchen von der Jahreszeit abhängig – denn eine künstliche Blume wäre ihm nie ans Revers gekommen. Ich selber bin da nicht ganz so pingelig, denn anders als er verfüge ich weder über einen riesigen Garten noch über ein Gewächshaus – und zum Blumengeschäft kann ich auch nicht dauernd gehen. Gut, bei roten Nelken (die ich sehr mag) würde ich nie eine künstliche Variante nehmen, da sie auf Grund ihrer Größe und natürlich ihrer Farbe ins Auge sticht und man dann doch schnell merkt, daß sie nicht echt ist. Auch wenn Nelken noch relativ lange ohne Wasser durchhalten, so ist es mir doch schon ein paar Mal passiert, daß eine Blume dann doch schlapp machte: bei Paolo Conte sieht das irgendwie reizvoll und elegant-morbide aus, ich aber wirke dann eher wie ein unrasierter, grauhaariger Kneipenschwärmer, der noch von der letzten Nacht hier herumsitzt… Wenn ich also wußte: „heute wird’s wieder lang“, habe ich mir einfach eine alte Tintenpatrone (nicht die kleinen von Pelikan, sondern so eine große von Parker oder Lamy) hinter das Revers geklemmt als Wasserbehälter…

    Nicht viel anfangen kann ich mit den häufig auf Hochzeiten anzutreffenden, von außen auf dem Revers angebrachten Blumengestecken der Marke „Almabtrieb“. Für die hier erwähnten gehäkelten Versionen kann ich mich auch nicht so erwärmen – Gehäkeltes bringe ich doch eher mit Topflappen in Verbindung. Und die mir bis dahin unbekannten „Couleurrosen“ erinnern mich doch zu sehr an das „Bonbon im Knopfloch“ (z. B. der Ehrenlegion): man könnte so etwas dann doch für eine Auszeichnung oder einen Orden halten (oder schlimmer: man könnte glauben, ich hätte mir ein Bundesverdienstkreuz verleihen lassen.)

    Ich trage im Alltag stattdessen lieber die bereits erwähnte blaue Kornblume. Sie ist ohnehin eine meiner Lieblingsblumen und zudem dezenter in Größe und Farbe als z. B. eine Nelke. In Verbindung mit einem Einstecktuch sieht es dann auch nie überladen aus. Da Kornblumen ja nicht das ganze Jahr blühen, habe ich mir ein paar künstliche gekauft von der „Deutschen Kunstblume Sebnitz“, das dürfte die letzte verbliebene einheimische Manufaktur sein. Eine einzelne Blume kostet etwas über 3 Euro, ich habe den langen Stengel gekürzt, die Blätter abgeschnitten und fertig war die Knopflochblume. Und ich finde, man muß schon genauer hinschauen, um zu sehen, daß sie nicht echt ist. Abgesehen davon: welche Blume wäre besser geeignet für einen Burschenschafter oder einen Wandervogel als die Kornblume – die blaue Blume der Romantik, die blaue Blume der Jugendbewegung, die blaue Blume Preußens und die blaue Blume Deutschösterreichs? Die nationale Blume schlechthin: paßt also – und sieht schön aus.
    Alles Gute und Glückauf!
    Jacobus Z!

    • Vintagebursche 30. Juli 2018 — Autor der Seiten

      Danke für die kurzweilige Geschichte und den Hinweis bzgl. improvisierter Knopflochvasen. Mir wird der Stoff für diesen Blog wohl nie ausgehen.
      Mit burschenschaftlichem Gruß
      Niklas Z!

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